Fünf Pferde starben an Eibenvergiftung
Pferdebesitzer und -halter müssen für Pferde giftige Pflanzen kennen
Innerhalb weniger Stunden sind im April 2011 fünf Pferde im schleswig-holsteinischen Tangstedt an einer
Eibenvergiftung gestorben. Der Hofbetreiber hatte in seinem Garten Eiben gestutzt und den hochgiftigen
Grünabschnitt den Pferden zum Fressen auf die Weide gelegt. Er versicherte, dass ihm die Giftigkeit der
Pflanze nicht bekannt gewesen sei. "Das ist ein tragischer Fall, der hätte vermieden werden können. Wir
appellieren an alle, die mit Pferden umgehen, sich über für Pferde giftige Pflanzen zu informieren," sagte
Dr. Michael Düe, Leiter der Abteilung Veterinärmedizin bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).
Wer denkt, giftige Pflanzen gibt es nur im Dschungel, der irrt. Oft sind die giftigen Pflanzen auch beliebt in
deutschen Gärten. So auch die Eibe, ein zwei bis 15 Meter hoher immergrüner Nadelbaum mit roten Früchten,
der gerne auch als Hecke eingesetzt wird. Alle Pflanzenbestandteile sind giftig. Schon 0,2 bis 0,3 Gramm pro
Kilogramm Körpergewicht eines Pferdes sind tödlich und der Tod kann schon nach fünf Minuten eintreten.
Beliebt und oft in Gärten zu sehen sind auch Buchsbaum, Lebensbaum, Oleander und Rhododendron. Alle
diese Pflanzen bekommen Pferden nicht. Nicht immer enden Vergiftungen tödlich. "Die Folgen reichen von
Kolikerscheinungen und Muskelzittern bis hin zu schlimmen Fällen von Organschäden zum Beispiel der
Leber", erklärt Dr. Düe.
"Buchsbaum, Eibe oder Rhododendron - das ist nur eine Auswahl bekannter Pflanzen, die nicht in die Nähe
von Pferden gehören. Sie sind nicht geeignet für Hecken und Beete an Weiden oder Pferdeställen. Wer die
Begrünung eines Pferdehofes plant, sollte bei der Pflanzenauswahl jede Pflanze nachschlagen. Das Wissen
über diese Pflanzen gehört zur Sachkunde von Pferdeleuten", sagt Gerlinde Hoffmann, Leiterin der
FN-Abteilung Pferdehaltung und Umwelt sowie Autorin des Buches "Orientierungshilfen Reitanlagen- und
Stallbau".
Krankmachende und tödliche Pflanzen können sich aber auch auf der Weide ansiedeln. Deshalb sind
regelmäßige Kontrollen der Weiden wichtig. "Wenn untypische Pflanzen auf der Weide stehen, entfernen Sie
diese und fragen Sie im Zweifel einen Experten", empfiehlt Gerlinde Hoffmann. So ist vielen zum Beispiel das
Jakobskreuzkraut bekannt, eine bis zu einem Meter hohe Pflanze, die im Sommer gelb blüht. Während Pferde
sie frisch meist meiden, können sie vor allem im Heu oder in der Silage ihre tödliche Wirkung entfalten.
Aber auch die Pferdebesitzer sind gefordert. Wer giftige Pflanzen am Stall, an und auf den Weiden vermutet
oder entdeckt, sollte seinen Stallbetreiber ansprechen. Bei Ausritten empfiehlt es sich darauf zu achten, wo
man sein Pferd anbindet, wo man es grasen lässt und welche Pflanzen in der Nähe sind. Gerade bei Ausritten
besteht Gefahr, denn in Feld und Wald gibt es Pflanzen, die Pferden nicht bekommen wie zum Beispiel der
Adlerfarn.
Woran aber erkennt man Vergiftungen und was soll man tun, wenn der Verdacht einer Vergiftung besteht? Antworten liefert das Buch "Deutscher Reitpass" aus dem FNverlag: "Die Anzeichen einer Vergiftung sind
sehr unterschiedlich, ebenso die Zeitspanne von der Aufnahme des Giftes bis zum Auftreten der ersten
Symptome," heißt es in dem Lehrbuch zum gleichnamigen Ausbildungsabzeichen, quasi dem Führerschein für
alle, die viel und gern mit ihrem Pferd ins Gelände gehen. "Vergiftungen können sich äußern durch
ungewöhnliche Unruhe, leichte Erregbarkeit, Darmstörungen, krampfartige Kolikanfälle, Durchfall,
Schweißausbruch, Speichelfluss, Lähmungen, taumelnden Gang oder ausdauerndes Gähnen. Im schlimmsten
Fall stirbt ein Pferd an Atemlähmung oder Herz-Kreislauf-Versagen. Bei Verdacht auf Vergiftungen muss so
schnell wie möglich ein Tierarzt gerufen werden. Das Pferd darf keine weitere Nahrung zu sich nehmen; erlaubt
ist nur frisches Wasser. Unbedingt eine Probe der verdächtigen Pflanze aufheben! Wenn möglich, sollte das
Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes in eine ruhige, gut gepolsterte Box gebracht werden, in der es sich nicht
selbst verletzen kann." Das Buch "Deutscher Reitpass" bietet darüber hinaus eine erste Übersicht wichtiger
Giftpflanzen mit Bildern. Wer mehr wissen will, dem empfiehlt sich das Buch "Notfall-Ratgeber Pferde und
Giftpflanzen" der Tierärztin Dr. Beatrice Dülffer-Schneitzer, ebenfalls erschienen im FNverlag. Dort sind über
100 Giftpflanzen mit Fotos abgebildet und hinsichtlich Gefährlichkeit, Standort und Verbreitung, Aussehen,
Blüte, Früchte, giftige Pflanzenteile, Giftstoffe, gefährliche Dosis, Vergiftungsanzeichen und Erste Hilfe
beschrieben. Einen einfachen Überblick mit Bildern gibt zudem die Lehrtafel "Für Pferde giftige Pflanzen" aus
dem FNverlag. "Diese Lehrtafel in Postergröße gehört aus meiner Sicht gut einsehbar für alle in den Stall", rät
Gerlinde Hoffmann den Stallbetreibern.
Literaturtipps
"FN-Abzeichen Deutscher Reitpass"; 9,80 Euro
Lehrtafel "Für Pferde giftige Pflanzen" von Dr. Bodo Hertsch; Format Din A 4 für 1,50 und Format 100
mal 70 Zentimeter mit Aufhängevorrichtung für 12,80 Euro
"Natürlich gesund. Pferd, Reiter und Hund" von Claudia Bergmann-Scholvien; 22,80 Euro
"Notfall-Ratgeber Pferde und Giftpflanzen" von Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer; 16,80 Euro
"Orientierungshilfen Reitanlagen- und Stallbau"; 24,80 Euro
"Pferdegesundheitsbuch von Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer"; 32,80 Euro
"Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4 - Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht"; 13,80 Euro
Alle Titel sind erschienen im FNverlag,
Freiherr-von-Langen-Str. 13,
48231 Warendorf,
Telefon 02581/6362-115, Fax 02581/633146,
E-Mail vertrieb-fnverlag@fn-dokr.de
Internet www.fnverlag.de.
Text: Pressestelle der FN
29.07.2009
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JAKOBSKREUZKRAUT - Hübsch gelb, aber sehr, sehr giftig
Das JAKOBSKREUZKRAUT (lat. Senecion Jacobea) - vor allem gefährlich für Pferde und Rinder - breitet sich
in den letzten Jahren explosionsartig deutschlandweit überall aus. Man sollte die Gefahr nicht unterschätzen.
Das Jakobskreuzkraut gehört zu den Greiskräutern. Der Artenname bezieht sich auf den Blühtermin am 25. Juli.
Die Blühzeit der 30 bis 120 Zentimeter hohen Pflanzen ist von Juni bis September. Die Blüten sind goldgelb
und haben immer 13 Blütenblätter.
Sie ist zwar eine einheimische Pflanze, aber deshalb nicht weniger gefährlich.
Optimale Bedingungen für die Entwicklung dieser stark giftigen Pflanze, die zu Leberschäden und zum Tod führen kann, sind die steigenden
Jahresdurchschnittstemperaturen und die massenhaften Flächenstilllegung.
Solange es Stilllegungen noch gibt, werden wohl auch die Pflanzen nicht weniger. Immer noch gebe es viele
Flächen mit dem Jakobskreuzkraut, die gar nicht bereinigt würden, weil viele die Pflanze gar nicht kennen, die
Gefahr unterschätzten oder schlichtweg ignorierten. So kann sie sich ungehindert ausbreiten. Jede Pflanze
kann bis zu 150 000 Samen bilden, die mit dem Wind oder durch landwirtschaftliche Maschinen weit verbreitet
werden. Das Kraut ist zudem sehr widerstandsfähig.
Deshalb schlagen Pferdehalter jetzt Alarm. Wie man das Kraut zurückdrängen kann, ist umstritten. Da die
Vernichtung durch Vergärung und Verrottung nicht möglich ist und auch biologische Verfahren unausgereift
sind, möchten Pferdehalter Herbizide einsetzen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hingegen
hält es für möglich, die Ausbreitung durch häufiges Mähen einzudämmen.
Schon nach wenigen Tagen tritt unweigerlich der Tod ein, wird eine höhere Dosis aufgenommen.
Bei geringeren Mengen kann der Tod erst nach Wochen und Monaten kommen. Erkrankte Tiere gähnen häufig,
lassen den Kopf hängen, reagieren nicht mehr auf ihre Umwelt, verweigern das Futter und magern ab.
Manche Pferde bekommen als Folge eines geschädigten Darmtrakts auch blutigen Durchfall, eine Kolik.
Viele Tierärzte vermuten nicht, dass die Tiere vergiftet sind und behandeln nur die Kolik.
Erst wenn 50 Prozent der Leber geschädigt sind, verändern sich ihre Werte.
Im fortgeschrittenen Stadium der Kreuzkrautvergiftung werden die Anzeichen einer Lebervergiftung deutlicher: Sie zerstören das Organ, schädigen das zentrale
Nervensystem, drängen sich ins Erbgut und lösen Krebs aus. Zeichen der Erkrankung sind Rötungen der
weißen Abzeichen an Kopf und Beinen. Oftmals schwellen sie auch an. Die Pferde scheiden dunklen Harn aus,
der Augapfel färbt sich gelb (Gelbsucht), das Blutbild zeigt die angegriffene Leber.
Quelle: Zeitschrift "Cavallo"
Die höchste Konzentration an Alkaloiden weisen junge Pflanzen auf, sie sind damit die giftigsten.
Ziegen und Schafe, aber vor allem Pferde und Rinder sind gefährdet.
Älteres Jakobskreuzkraut auf der Weide wird normalerweise gemieden, jedoch wenn der Tierbestand und das Pflanzenvorkommen hoch sind, fressen vor
allem jüngere Tiere auch Jakobskreuzkraut.
In Heu und Silage wird die Pflanze immer gefressen, da sie ihren typischen Eigengeruch und ihre Bitterkeit
verloren hat. Doch ihre hohe Giftigkeit hat das Kraut auch in getrockneter Form nicht verloren.
Wenn Wiesen und Weiden regelmäßig gemäht werden, kann man Weidetiere schützen. Dann hat das
Jakobs-Kreuzkraut kaum keine Chance. Einmaliges Mähen führt jedoch eher zu einer zusätzlichen Vermehrung
der Pflanze. Ausgerissene Pflanzen sollte man unbedingt entsorgen.
Zwei Fälle von Todesfällen und Erkrankungen sind mir in der Prignitz in den letzten beiden Jahren bekannt.
In Lellichow bei Frau Bärbel Werner gibt es Pferde, Schafe, Ziegen, Katzen, Hunde, Laufenten und Hühner. Alle
fühlen sich wohl. Aber mit den Pferden hat die Frau allerdings Sorgen. Im vergangenen Jahr war eines der
Pferde plötzlich krank geworden und nach sechs Monaten verstorben. Jetzt ist wieder eine Stute krank. Auch
die beiden Fallabellas zeigen erste Anzeichen, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist.
Lange war sie völlig rätselhaft, was mit den Pferden los ist. Erst ein Bekannter brachte sie drauf, dass auf dem
benachbarten Ödland massenhaft Jakobskreuzkraut wächst und auf das eigene Grundstück vordringt.
Sie und ihr Lebensgefährte Peter von Mach haben große Mengen des Krautes beseitigt, doch längst nicht
alles, da es einen enormen Aufwand darstellt. Zudem hat sich die Frau Rat vom Pflanzenschutzexperten geholt
und ein Mittel zur Bekämpfung bestellt. Sie ist an die Öffentlichkeit getreten, um andere Tierhalter, die nichts
von der Gefährlichkeit des Jakobskreuzkrauts wissen, zu warnen.
Auch in KLEIN WOLTERSDORF (Gemeinde Groß Pankow) bemerkte Renate See eine drastische Zunahme der
Giftpflanzen auf ihrer 40 Hektar großen Koppel. Die Pferdezüchterin und Landwirtin plagt sich schon seit
vielen Jahren mit dem giftigen gelben herum. Vor vier Jahren waren es 17 Pflanzen, in diesem Jahr waren es
schon um die 1000. Zusammen mit der restlichen Familie und den Auszubildenden versucht sie der Lage Herr
zu werden. Jeden Tag finden sie neue Pflanzen, da diese sich rasend schnell vermehren. Die Pflanzen reißen
sie von Hand aus und spritzen dann Herbizid darüber. Im Moment haben sie die Lage im Griff, doch ganz
zufrieden ist Renate See dennoch nicht.
Bei einer Radtour zwischen Niederfinow und Falkenberg (MOL)
fanden wir am
Wegesrand auch mehre Pflanzen Jacobskreuzkraut. Also auch hier ist das Kraut schon verbreitet.
Nur immer in der Halle oder auf dem Reitplatz die gleichen Runden drehen, wird
jedem Reiter mal langweilig. Dann will man raus in die Natur. Spazieren reiten im
Gelände, quer durch Flur und Wald, macht riesigen Spaß. Aber an schönen Plätzen
möchte man auch mal eine Pause machen und ein wenig verschnaufen. Den Sattel ab
und Halfter rauf, damit sich auch dein Pferd erholen kann.
Aber lass dein Pferd nicht so einfach alles fressen. So
manche Pflanzen am Wegesrand sind für Pferde hochgradig giftig. Auf der Weide achten die Pferde
meistens was für sie gut ist oder nicht. Anders ist es beim hastigen Naschen
unterwegs. Nicht nur im Wald, auch zu Hause auf dem heimischen Platz, können aber
Sträucher oder Blumen stehen, die einem Tier oder auch dem Menschen schaden
können.
Bevor du mit deinen Pferd ins Gelände gehst, solltest du die wichtigsten Giftpflanzen
kennen. Du wirst sicherlich nicht auf die Idee kommen und dein Pferde Tollkirschenzweige essen lassen?
Hast du aber auch gewusst, das der im Wald häufig vorkommende Adlerfarn, ein tödliches Gift enthält?
Vergiftungen bei Pferden äußern sich durch verschiedene Anzeichen:
heftige Koliken (Bauchschmerzen)
Atemnot,
Durchfall und Krämpfe
bis hin zu Bewusstlosigkeit
Bei Verdacht auf eine Vergiftung kein Futter geben und den Tierarzt so schnell wie
möglich holen! Vielleicht weist du auch was es gefressen haben könnte.
Es gibt kleine oder größere Blumen:
Adonisröschen
Adlerfarn (Gesamte Pflanze enthält das Gift)
Bingelkraut (Wurzeln, Samen und Sproß im frischem Zustand giftig)
Eisenhut
Fingerhut, gelber
Fingerhut, roter (Blätter 25 g getrocknet) tödlich