Sprung zurück ins Leben - Der Menzer Max-Hilmar Borchert hat sich nach der Erkrankung an einer seltenen Form von Leukämie an die Spitze seines Sports gekämpft. Als Dreijähriger saß er das erste Mal im Sattel
Es ist der 21. Januar 2011, Neustadt an der Dosse. Max-Hilmar-Borchert sitzt angespannt im Sattel
seines Pferdes Alcoy Z und wartet auf das Startsignal. Diese Springprüfung ist der wichtigste
Wettkampf seiner noch jungen Karriere. Vor sich hat Borchert 14 Hindernisse, jedes 1,45 Meter
hoch. Der 20-Jährige aus Menz (Oberhavel) und sein Fuchswallach springen gegen mehr als hundert
Reiter aus 18 Nationen. Gleich geht es los. Borchert ist jetzt voll konzentriert. Er weiß, was er kann.
Schließlich hat er im Leben schon ganz andere Hürden genommen. Den Kampf gegen den Krebs zum
Beispiel.
Auf dem Reiterhof Borchert bei Menz, Dezember 2011. Draußen regnet es in Strömen. Max-Hilmar
Borchert sitzt in einem der Häuser an einem großen Tisch und trinkt Kakao. Seit 7 Uhr ist er auf den
Beinen, hat die Pferde gefüttert und mit ihnen trainiert. Jetzt ist es 12 Uhr, Mittagspause. Neben ihm
sitzt seine Schwester Andrea. Ihm gegenüber Mutter Edda. Sie hält sich an einer Kaffeetasse fest.
"Mit drei Jahren saß Max das erste Mal im Sattel", beginnt sie zu erzählen. "Durch den Betrieb ist er
ja praktisch mit Pferden aufgewachsen."
Der Betrieb, das ist ein rund zwei Hektar großer Reiterhof, zwei Kilometer westlich von Menz. Mit
Reithalle, Springplatz, Pensionsstall - ein Paradies für Pferdeliebhaber. Und ein Paradies für die drei
Kinder der Familie Borchert.
Max-Hilmar Borchert lernt früh, mit Pferden umzugehen. Bald nimmt er an ersten Turnieren teil,
gewinnt kleine und große Springen. 2007 - mit gerade 16 Jahren - zählt er landesweit zu den besten
Nachwuchsreitern.
Dann kommt der Tag, der alles verändert. Seit Wochen fühlt sich Borchert nicht gut, klagt über
Kopfschmerzen, hat einen angeschwollenen Hals. Die Ärzte untersuchen ihn. Am 5. Oktober 2007
erfahren Mutter und Vater Borchert die Diagnose: Morbus Waldenström, eine äußerst seltene Form
von Leukämie. Blutkrebs - ein Schock. "Von einer Sekunde auf die andere verändert sich das ganze
Leben", erinnert sich Edda Borchert. "Mein Mann und ich haben erst einmal geheult."
Ihr Sohn begegnet dem Albtraum Krebs rational, schaut nach vorn: "Das erste, was ich wissen wollte,
war, wie es jetzt weitergeht".
Er kommt ins Virchow-Klinikum nach Berlin. Dort rätseln die Ärzte. Denn Max-Hilmar Borchert ist ein
absoluter Ausnahmefall. Nur bei einem von 100.000 Männern wird Morbus Waldenström diagnostiziert.
Und in der Regel sind die Patienten um die 60 Jahre alt. Aber 16? Die Heilungschancen sind einfach
nicht zu beziffern. Doch Max-Hilmar Borchert ist jung. Das macht Hoffnung. Er hat noch so viel vor im
Leben.
Die Ursache für seine Krankheit ist vermutlich eine fehlerhafte Anfangs-DNS, sagt Borchert. So haben
es ihm die Ärzte erklärt.
Zunächst wird er mit einer neuartigen Chemo-Therapie behandelt. Vier von sieben Tagen verbringt der
Menzer damals im Krankenhaus. Tatsächlich schlagen die Präparate gut an. Bald sind die
Krebszellen in seinem Blut nicht mehr nachweisbar.
2008 beginnt Max-Hilmar Borchert wieder mit dem Reiten. "Er hat jedem erzählt, er sei geheilt", sagt
seine Mutter. Doch ein paar Monate später der Rückschlag: Sein Blut ist wieder voller kranker Zellen.
Es sind doppelt so viele, wie vor der Chemotherapie - es ist zum Verzweifeln.
Das Problem ist Borcherts jugendliches Alter. Bei über 60-Jährigen ist der Krankheitsverlauf gut
erforscht. Wie der Körper eines jungen Heranwachsenden auf die konventionellen
Behandlungsmethoden reagiert, wissen die Ärzte nicht.
Die nächste Option ist Stammzell-Transplantation. Und Borchert hat Glück: Bei einer groß angelegten
Typisierungs-Aktion, zu der auch alle regionalen Zeitungen aufgerufen hatten, findet sich ein Spender,
der zu annähernd 100 Prozent auf ihn passt. Die Behandlung beginnt im Spätsommer 2009. In einer
Klinik in Leipzig wird Borchert zunächst zweimal am Tag bestrahlt, dazu kommt die Chemotherapie:
"Sie haben alles platt gemacht, das komplette Immunsystem auf Null gefahren". Seine Mutter ist die
ganze Zeit bei ihm, zieht in Leipzig extra in eine Pension. Sie will ihren Sohn jetzt nicht allein lassen,
gibt ihm Kraft. Auch sein Vater und seine beiden älteren Geschwister sind, so oft es geht, an seiner
Seite.
Dann kommt die eigentliche Stammzell-Therapie - der Moment der Wahrheit. Über einen
Venenkatheter werden Borchert ab dem 24. September die Spenderzellen zugeführt. Sie sollen
anwachsen, was selbst bei günstigen Voraussetzungen keineswegs immer klappt. Der Körper von
Max-Hilmar Borchert reagiert auf die fremden Zellen heftiger als erwartet: 41,5 Fieber, Blutvergiftung,
Lungenentzündung. "Es war der absolute Tiefpunkt, irgendwann habe ich auch halluziniert."
Der Menzer wird auf die Intensivstation verlegt. Wie er später erfährt, stehen seine Überlebenschancen
zu diesem Zeitpunkt denkbar schlecht. Edda Borcherts Stimme stockt, als sie folgende Begebenheit
erzählt: "Eines Tages fragte ihn der behandelnde Arzt: ,Max, wie hoch musst du mit deinem Pferd bei
einem Turnier springen?' Er antwortete: ,1,30 Meter oder 1,40 Meter.' Da hat der Arzt gesagt, ,Max,
du musst jetzt mindestens 1,70 Meter schaffen.'"
Zuhause in Menz leidet die Familie mit. Schwester Andrea hat die traurigen Stunden von damals noch
gut im Gedächtnis. "Der Hof war grau, leer und ruhig. Jeder hatte Angst, an das Telefon zu gehen,
wenn es klingelte."
Doch Max-Hilmar Borchert schafft die 1,70 Meter. Mithilfe eines Medikaments nimmt sein Körper die
neuen Zellen nach und nach an. Es geht aufwärts, von Tag zu Tag wird es besser. Anfang November
darf er das erste Mal die Klinik verlassen, Weihnachten 2009 verbringt er bei seiner Familie zu Hause
in Menz.
Er lässt es ruhig angehen. Im Dezember sagt er in einem Zeitungsinterview: "Ich will nichts übers Knie
brechen. Das bringt mir und den Pferden nichts." Im Mai 2010 steigt Borchert das erste Mal wieder in
den Sattel.
Die Glückshormone jagen durch den Körper, die Blutwerte gehen rasant nach oben - ein kleines
medizinisches Wunder. "Auch die Ärzte haben dafür keine richtige Erklärung."
Borchert kämpft sich zurück ins Leben - und zurück an die Spitze seines Sports. Im Juni 2010 wird er
Berlin-Brandenburgischer Landesmeister. Im Dezember nominiert ihn der Bundestrainer.
21. Januar 2011: Max-Hilmar Borchert betritt mit seinem Fuchswallach Alcoy Z die
Graf-von-Lindenau-Halle in Neustadt. Jubelnd erheben sich die Zuschauer von ihren Plätzen - viele
kennen die Geschichte des jungen Reiters aus Menz. Der 19-Jährige legt los. Mit dem Publikum im
Rücken nimmt er jede Hürde und kommt mit 51,74 Sekunden als Zehnter ins Ziel - die Halle tobt.
Borchert erlebt "Gänsehaut pur."
An mehr als 40 Turnieren hat der Menzer in diesem Jahr teilgenommen, fast jedes Wochenende war
er auf Tour. Los ist er das Gespenst der Vergangenheit noch nicht. Alle vier Wochen muss er nach
Rheinsberg. Dort werden seine Blutwerte abgeklärt. "Wir wissen nicht, ob die Krankheit wiederkehrt",
sagt seine Mutter. Aber daran will ihr Sohn erst einmal keinen Gedanken verschwenden. Er hat jetzt
eine Freundin und neue sportliche Ziele. "Die Krankheit rückt für mich immer mehr in den Hintergrund",
sagt der junge Mann.
In zwei Wochen, beim nächsten CSI in Neustadt, will Borchert wieder ganz vorne mit dabei sein und
Platz zehn aus dem Vorjahr verteidigen. An den 1,45 Meter hohen Hürden sollte es nicht scheitern. Er
weiß ja, dass er im Ernstfall 1,70 Meter springen kann.
Bildunterschrift - Zurück im Sattel: Max - Hilmar Borchert mit seinem Fuchswallach Alcoy Z und Hund Jacko. Seit Mai 2010 reitet er wieder, gesundheitlich und sportlich geht es seitdem bergauf.
Text: Oranienburger Generalanzeiger/Ruppiner Anzeiger/Gransee-Zeitung am
24.12.2011
Bild: Thomas Gutke
03.12.2011
Ruppiner Wanderfreunde e.V. -
Berliner Stadtwanderung
"Entlang der Spree, zwischen Treptower Park und Plänterwald"
Zu einer interessanten und sehr informativen Stadtwanderung brachen die Ruppiner Wanderfreunde nach Berlin auf. Am
Treffpunkt, dem S-Bahnhof Treptower Park, kamen wie verabredet noch fünf Berliner Wanderfreunde hinzu, um die etwa 10 km
Rundstrecke zwischen Treptower Park und dem Plänterwald gemeinsam zu erwandern. Anschaulich trug Dieter Quilitz die
zahlreichen, gut recherchierten Fakten vor, die von den Berliner Freunden ergänzt wurden. Es dauerte 12 Jahre, bis 1888 der
Volkspark Treptow benannt als "geregelte Anpflanzung von Gehölzen" entstanden war. Der Plänterwald soll 1760 am Spreeufer
forstwirtschaftlich angelegt und 1876 zum Naherholungsgebiet erklärt worden sein. Der vielen bekannte Vergnügungspark, bzw.
Kulturpark Berlin wurde 1969 geschaffen, 1992 als "Spreepark" bezeichnet, leider dann 2001 geschlossen. Der Uferweg an der
Spree ist nicht nur zum Wandern gut geeignet, ständig wurden die Wanderer von Joggern aller Altersklassen überholt, einige
davon trainieren für die vielen dort stattfindenden Laufveranstaltungen auf Strecken zwischen fünf und zwanzig Kilometern. Ein
großes Schild über einer Dampferanlegestelle trägt die Aufschrift "ZENNER". Ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner, ein Gast-
bzw. Kaffeehaus mit Biergarten. Das Gebäude wurde 1955 neu aufgebaut, weil die Ausflugsstätte, errichtet um 1900, genauso wie
der "Spreegarten" und der "Paradiesgarten" durch den Krieg zerstört waren.
Von Zenner´s aus fällt der Blick auf die "ABTEIBRÜCKE", erbaut 1916, die über einen Teilarm der Spree zur "Abteiinsel", heute
"INSEL DER JUGEND" führt. Es ist eine der ersten in Stahlbetonbauweise errichteten Brücken Deutschlands und dadurch
denkmalgeschützt. Die "Brücke der Herzen" (Blue Hearts) dokumentiert durch blaue Keramikherzen seit 2005 eine
Auszeichnungsbewegung, die für verdiente Personen, Institutionen oder Einrichtungen, mit bemerkenswerter
Kinderfreundlichkeit stehen. Auf der gegenüberliegenden Uferseite der Spree betrachteten die Wanderer die markanten
Großbauten des Kraftwerkes KLINGENBERG und des Zementwerkes mit erkennbaren Spree- Schifffahrtsanlegern. Im
Kraftwerkskomplex sticht ein dunkler, hoher Klinkerbau in einfachem Industrie-Architekturstil hervor, der auch unter
Denkmalschutz steht. Der Weg vom historischen Steinkohlekraftwerk, verbunden mit dem schlesischen Steinkohlerevier, bis zum
Wärmekraftwerk, betrieben mit Lausitzer Braunkohle durch Vattenfall zeigt viele interessante technische Neuerungen und
Änderungen. Die Zukunft des Standortes, so Veröffentlichungen, soll in der Gas- und Biomassetechnik liegen.
Nach einiger Zeit standen die Wanderer vor einem markanten Baudenkmal, einem Fachwerkgebäude, an dessen Giebel der Name
"Eierhäuschen" zu lesen war. Es war ein Ausflugslokal von 1896 , das seit 1990 leider leer steht und auf dringende Restaurierung
wartet. Über diese Lokalität schrieb Theodor Fontane in seinem Roman "DER STECHLIN". Der Weg führte noch eine Weile am
Ufer der Spree entlang, bis die Wanderer in den Plänterwald abbogen. An einem sonnigen Platz wurde auf Baumstämmen sitzend
eine Rast gemacht. Gestärkt ging es weiter durch einen Wald, der parkähnlich anmutete und wo die Fahrzeuggeräusche der
Ortsstraßen hereindrangen. Hinter großen Bäumen erkannte man ein riesiges langes Metallrohr, ähnlich einer Kanone, das
21-m-Fernrohr der ARCHENHOLD- STERNWARTE. 1896 zur Gewerbeausstellung im Treptower Park das angeblich längste
Fernrohr der Welt mit 130 Tonnen.
Nach wenigen hundert Metern kam die Wandergruppe an das sowjetische Ehrenmal für die gefallenen Soldaten im Kampf gegen
den Faschismus. Auf einer Straße ging es zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück zur S- Bahn Station Treptower Park. Dank
gebührt dem Wanderleiter, Herrn Quilitz, und den Erklärungen der Berliner Wanderfreunde. Gedanken versunken wurde die
Heimreise angetreten, alle waren sich einig darüber, dass diese Wanderstrecke mit gutem Gewissen weiter empfohlen werden
kann.
Zusatzinformationen aus WIKIPEDIA,
Text und Fotos: Günter Koch